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Legendäre Revierteams: Rot-Weiss Essen Deutscher Meister 1955
Der größte Triumph der Vereinsgeschichte
In der Endrunde hatten die Bergeborbecker Kickers Offenbach, Wormatia Worms und Bremerhaven 93 eindeutig auf die Plätze verwiesen. Dennoch ging der 1. FC Kaiserslautern als Favorit in das Finale. Bereits zweimal hatten die Pfälzer, die sich mit einem zweistelligen Erfolg über Viktoria 89 Berlin für das Endspiel qualifizierten, in den letzten vier Jahren den Titel erringen können. Außerdem standen mit Fritz Walter, Liebrich, Kohlmeyer und Eckel vier Spieler in ihren Reihen, die ein Jahr zuvor im Berner Wankdorf-Stadion Weltmeister geworden waren.

Der größte Triumph in der Vereinsgeschichte: Rot-Weiss Essen wird '55 Deutscher Meister.
Die letzten Tage vor dem großen Spiel verbringt RWE in Bigge im Sauerland. Hier soll die Elf von Trainer Fritz Szepan den letzten Schliff bekommen, aber auch Kraft tanken und sich erholen, um ausgeruht und konzentriert die Reise zum Endspielort Hannover antreten zu können. Am 25. Juni schließlich reist das Team unter der Leitung des Ehrenvorsitzenden Georg Melches in die niedersächsische Landeshauptstadt und bezieht im Hotel „Luisenhof“ Quartier. Den Spielern ist keinerlei Nervosität anzumerken, obwohl sie zum ersten Mal um die „Viktoria“ kämpfen. Einen Tag später ist es dann soweit.
Bei herrlichem Sonnenschein sind über 80.000 Besucher, die eine farbenfrohe Kulisse bilden, ins Niedersachsen-Stadion gekommen und warten ungeduldig auf den Anpfiff. Mit unzähligen Privatautos und Sonderzügen sind die Rot-Weiss-Anhänger nach Hannover gepilgert, um „live“ dabei zu sein, wenn der große Wurf gelingt. Unter Jubelrufen, Sirenengeheul, Trompetenstößen und dem Beifall der schon vorher Begeisterten betreten beide Mannschaften den Rasen.
Gleich nach dem Anpfiff von Schiedsrichter Meißner reißen die „Roten Teufel“ vom Betzenberg das Spiel an sich und gehen durch Wenzel schon nach elf Minuten mit 1:0 in Führung. 60 Sekunden später verhindert Herkenrath eine Vorentscheidung zugunsten der Lauterer. Linksaußen Scheffler zieht auf und davon, doch der RWE-Keeper wirft sich ihm mutig und entschlossen entgegen. Der Torwart verletzt sich zwar dabei, kann aber unter großen Schmerzen weiterspielen. Langsam findet RWE ins Spiel. Nach einer Viertelstunde werden die Angriffe druckvoller und sofort gelingt der verdiente Ausgleich. In der 18. Minute verwandelt Penny Islacker eine Flanke von Röhrig zum 1:1.
Entfesselte Essener
Wie entfesselt berennen die Rot-Weissen nun das von Hölz gehütete Tor. Rahn läßt Kohlmeyer und Eckel in seiner unnachahmlichen Manier aussteigen, bedient den freistehenden Röhrig, dessen Kopfball zum 2:1 ins Netz zischt. Nach 27 Minuten liegt der Westmeister also zum ersten Mal in Führung. Die Lauterer antworten mit wütenden Angriffen. Innerhalb von 180 Sekunden erzielen sie vier Eckstöße, die jedoch nichts einbringen. Gottschalk, Rahn, Islacker und Röhrig leiten immer wieder gefährliche Konter ein, die die gegnerische Abwehr mehr als einmal in Verlegenheit bringen.

Hart umkämpftes Finale: Kaiserslautern kann einen 1:3-Rückstand noch aufholen. Am Ende schaffen es die Essener aber doch.
Trotz der großen Hitze zeigen beide Mannschaften herzerfrischenden Offensiv-Fußball, an dem die 80.000 ihre helle Freude haben. Wenige Augenblicke vor dem Seitenwechsel schweben die vielen mitgereisten Essener im „siebenten Fußballhimmel“. Islacker umdribbelt seinen Gegenspieler Render, schießt flach ins lange Eck. Hölz hat erneut keine Abwehrchance. Pennys Geschoss zappelt im Netz. Zwei Tore Vorsprung zur Pause sind selbst für die Optimisten eine angenehme Überraschung, auch wenn es keinen Zweifel gibt, dass die Führung in dieser Höhe verdient ist. Den RWE-Fans schmeckt das Bier in der Pause auf jeden Fall ausgezeichnet.
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