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Legendäre Revierteams: Rot-Weiss Essen Deutscher Meister 1955
Der größte Triumph der Vereinsgeschichte
Wie nicht anders erwartet, versucht die Walter-Elf, das Steuer in den zweiten 45 Minuten noch herumzureißen. Liebrich spielt nun Mittelstürmer, während Render die Liberoposition übernimmt. Doch noch läuft das Essener Spiel – immer wieder angetrieben von August Gottschalk – auf Hochtouren.
In der 55. Minute fordern die Pfälzer lautstark Elfmeter, als Herkenrath sich dem anstürmenden Wanger entgegenwirft und ihn dabei (angeblich) behindert. Der gut postierte Schiedsrichter winkt ab und läßt weiterspielen. Doch dann passiert es doch. Liebrich flankt von der rechten Seite und Wenzel läßt Fritz Herkenrath mit seinem wuchtigen Kopfstoß zum zweiten Mal keine Abwehrmöglichkeit. Die Begegnung ist also wieder offen, die Härte nimmt zu. Rahn hat in der 65. und 68. Minute zwei Einschussmöglichkeiten, die Render bzw. Hölz im letzten Augenblick zur Ecke abwehren.

Vereinspräsident Georg Melches mit Helmut Rahn (li.) und August Gottschalk (re.)
Dann haben die Essener Schlachtenbummler bange Minuten zu überstehen. Islacker verletzt sich im Zweikampf mit Eckel, muß vom Platz getragen werden, wo sich Dr. Kargus und Fritz Szepan intensiv um ihn bemühen. Die dezimierte Mannschaft muß sich jetzt verstärkt den Lauterer Angriffen erwehren. Scheffler dringt in den Strafraum ein, stürzt mit Jahnel, Jänisch und Herkenrath zu Boden. Der Unparteiische zeigt zur Verwunderung der Rot-Weissen auf den ominösen Punkt und Baßler läßt sich 18 Minuten vor Schluss die große Möglichkeit nicht entgehen, verwandelt knallhart zum 3:3 unter die Latte.
Das Stadion gleicht einem Tollhaus. Jeder weiß, wer das nächste Tor erzielt, ist Deutscher Meister. Stimmgewaltig versuchen die Fans, ihre Mannschaften nach vorne zu treiben. Penny Islacker kehrt zwar wenig später auf das Spielfeld zurück, muß es aber kurze Zeit darauf erneut verlassen, um behandelt zu werden.
Hochspannung in der Schlussphase
In der 84. Minute stockt den Anhängern aus der Ruhrmetropole der Atem. Fritz Walter hebt den Ball in den Strafraum, drei Lauterer drücken die runde Lederkugel über die Linie. Der Sieg für die Pfälzer? Nein! In den Anfeuerungsrufen war der Pfiff des Schiedsrichters, der die klare Abseitsposition des Trios erkannt hatte, untergegangen. Islacker beißt noch einmal die Zähne zusammen, macht einen letzten Versuch, die Partie bis zum Ende durchzustehen.
Noch fünf Minuten zu spielen. Die Spannung ist kaum noch zu überbieten, da setzt sich der dribbelstarke Termath auf der rechten Seite gegen Render durch, zieht den Ball nahe der Auslinie nach innen. Mit letzter Kraft wirft sich der schwer angeschlagene Islacker in die Flanke und köpft wuchtig am verdutzten Hölz vorbei ins Netz. Baßler reklamiert zwar Abseits, doch der Mann in Schwarz erkennt auf Tor, da auch der Linienrichter zur Mitte zeigt.
In den letzten 300 Sekunden mobilisieren die Essener, beflügelt durch den Führungstreffer, die letzten Reserven und bringen den Vorsprung sicher über die Zeit, obwohl der Unparteiische die Nerven der Fans noch stärker strapaziert, weil er drei Minuten nachspielen lässt. Mit dem Abpfiff steht es fest: Rot-Weiss Essen ist Deutscher Meister! Der erste Nachkriegs-Titelträger des Westens. Das Niedersachsen-Stadion gleicht anschließend einem Fahnenmeer in Rot und Weiss. Die Anhänger stürmen den Rasen, heben die Spieler auf ihre Schultern. Der Jubel kennt keine Grenzen.
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