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11.03.2008 Druckversion | Versenden

Jorge Valdano: Über fussball

Ein Muss für jeden Fußballfan

Ich erinnere mich noch an den baumlangen Jorge Valdano im 1986er WM-Endspiel. In der 2. Halbzeit schob er den Ball mit rechts an dem herauseilenden gelben Zitronenfalter namens Toni Schumacher vorbei ins Netz zum 2:0 für Argentinien. Der Rest ist Geschichte.



Damals stand die ganze argentinische Elf im Schatten von „El Diego“, dem großen Künstler im Mittelfeld. Auch Valdano.

Jorge Valdano: über fussball, bombus verlag, München 2006, EUR 16,90

Im WM-Jahr 2006, mit Sicherheit auch das Jahr, in dem die meisten Fußballbücher auf dem deutschen Markt erschienen sind, „ein absoluter Overkill“, sagte ein befreundeter Buchhändler damals zu mir, publizierte der bombus-verlag Essays des Argentiniers. „über fussball“ heißt der schlichte Titel eines großartigen Buches, das von den Kritikern geehrt, von der zahlenden Kundschaft - abgelenkt von all dem glitzernden Mist - aber eher links liegen gelassen wurde. Zu Unrecht. „Egal ob Deutsche oder Argentinier, in unseren Emotionen sind wir alle so gleich, dass es schon beängstigend ist. Dieses Spiel besiegt den Fortschritt, weil es Emotionen mobilisiert, Symbole hochhält und Riten kultiviert. Die WM, das Endspiel, der Fußball und alle Übertreibungen, die uns einfallen, um eine elementare Leidenschaft zu erklären. Letztendlich passiert uns mit der Liebe das Gleiche“. So schreibt, fast möchte man sagen: philosophiert, Valdano. Im Kapitel über den deutschen Fußball heißt es: „Deutschland ist die Siegesmaschine. Die einzige Nationalmannschaft, die keinen Ball braucht, um den Gegner zu verwirren. Bei jedem Spiel habe ich die Vorstellung, dass unter dem Rasen Hunderte von kräftigen Deutschen sitzen und in die Pedale treten, rudern oder an einer Kurbel drehen. Ich glaube sogar, das Geräusch der laufenden Maschine zu hören: Rrrrrrrrr….“. Jorge Valdano beantwortet die alte Frage, ob Fußballer auch intelligente und sensible Kommentare abgeben können und tritt damit weit aus jedem Schatten heraus. Nicht umsonst ist das Buch mit dem Deutschen Fußball-Kulturpreis 2006 ausgezeichnet worden. Pflichtlektüre!

Bewertung: 6 von 6 Bällen

Ralf Piorr



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