Der EM-Blog (Teil 10)
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Da war er also wieder, der gute alte deutsche Rumpelfußball. Und vollkommen zu Recht beschloss auch der Kommentator des ÖRF seine Reportage mit der britischen Weisheit: „Ein Spiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnt Deutschland.“ Dass Jogi Löw dem einstigen Bundestrainer Erich Ribbeck in den vergangenen Wochen immer ähnlicher wurde, bewies er nicht nur in seiner Vasallentreue zu alt gedienten Kameraden jenseits des aktiven Leistungsnachweises.

Seelenverwandte? Sir Erich einst...
Sir Erich setzte ja auch damals bei dem EM 2000 auf bewährtes und ließ den 39jährigen „Es gibt nur einen Loddar Matthäus“ so weit hinter der Abwehr auflaufen, das manche meinten, er wäre schon beim Friedhof angekommen. Löws Entscheidungen strotzen vor Konservatismus. Es fing mit der Aussortierung Marko Marins an, setzte sich über die Personalien Lehmann, Metzelder, Klose und so weiter fort. Vielleicht möchte der Guru aus dem Schwarzwald anders, aber unter dem Erfolgsdruck dieser EM gelingt es ihm nicht, eine ähnliche Verzauberung herbeizuführen wie Klinsmann im Sommer der Liebe 2006. Allein Bundeskanzlerin "Es gibt nur eine Angela Merkel" entwickelte für diese kleine Krise ein feines Gespür und erschien im Wiener Ernst-Happel-Stadion ganz in „oranje“. Das Pedant zum fußballerischen Niveau findet sich auch auf der Straße wieder: Während es vor zwei Jahren friedliche Begegnungen und spontane Feste gab, rumpelten heute eine handvoll Betrunkener „Deutschland, Deutschland“ rufend durch die hiesige Fußgängerzone. Natürlich gab es auch einige, die berauscht vom spielerischen Glanz des 1:0-Sieges über Österreich hupend durch die Stadt fuhren. Vermutlich werden sie demnächst bei einem Sieg über Liechtenstein die Bordsteine schwarz-rot-gold anmalen.

und Jogi heute.
Gegenüber einer pulsierenden Partie wie Niederlande - Frankreich war das zum Drama aufgeblasene deutsch-österreichische Gekicke nichts anders als Kreisklasse. Die einen wollten mehr, konnten aber nicht, die anderen können vielleicht mehr, zeigen es aber nicht. Die launigen Gefechte im Vorfeld waren somit unterhaltsamer als die neunzig Minuten real existierender Fußball. Die eigentliche Pointe des Spiels ist aber, dass schließlich ein Hau-drauf-Standard die Partie entschied. Der Revisionismus wurde damit offensichtlich und die Sage von der Turniermannschaft aus dem Lande von Andy Brehme und Icke Häßler, die sich in der Vergangenheit oft per Freistoß, Elfmeter oder Eckball-Kopfball-Tor bis ins Finale durchmogelt hat, sehr lebendig.
Aber immer hat das auch nicht geklappt, wie die Geschichte von Sir Erich anno 2000 zeigt. Die deutsche Mannschaft erlebte am Ende ein 0:3-Debakel gegen eine B-Elf aus… Portugal.
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