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Comic: "Schalke - Helden von ganz unten"
Teletubbies auf Schalke
„Die Geschichte dieses einmaligen Vereins (soll) dem Leser erlebbar gemacht werden“, bekundet der Autor und Zeichner Michael Vogt die Intention von „Schalke. Helden von ganz unten“. In der gleichen Marschrichtung trompetet Vereinsmanager Andreas Müller im Vorwort: „Auf diese Weise entsteht mit leichter Hand eine fesselnde Aufbereitung der Historie eines der berühmtesten Fußballvereine.“ Das Problem ist nur: Die Lobpreisungen entlarven sich trotz einiger gefälliger Ansätze als größtenteils Worthülsen, was schon der anbiedernde Titel befürchten ließ.

Alles irgendwie niedlich...
In sieben Episoden werden Eckpunkte der Schalker Vereinsgeschichte erzählt, wobei sich die Dramatisierung leider in kindlicher Naivität erschöpft. Alles ist irgendwie niedlich. Armut und harte Arbeit existieren nicht, scheinbare Probleme werden sofort gelöst. Jede Story endet mit lachenden Gesichtern und in Friede, Freude, Eierkuchen. Selbst bei den Teletubbies gibt es mehr Konflikte. Bis auf die Episode „Landpartie“, die zur Zeit der Kalorienspiele nach dem Zweiten Weltkrieg spielt, fehlt der Storyline der Esprit, grafische Ideen bleiben rar gesät. Gelungen ist das Intro-Panel mit einem Blick über das Schalker Industriedorf, nur ist es wie der bejubelte Anstoß zu einem lang erwarteten Fußballspiel, das sich dann schnell als Langweiler entpuppt.
Den Begriff der „historischen Aufarbeitung“ auch nur ansatzweise zu bemühen, ist allerdings eine Frechheit. Und bei dieser Kritik geht es nicht darum, dass das „alte“ Ruhrgebiet beschönigt wiedergegeben wird oder Stadien Tribünen erhalten, die sie zu dem Zeitpunkt der Erzählung nie hatten. Auch nicht um fiktive Elemente. „Schwamm drüber“, wie der Kaiser sagen würde. Aber die ersten vierzig Jahre des FC Schalke 04 unter kompletter Ausblendung des Nationalsozialismus zu erzählen, funktioniert hinten und vorne nicht.
Nur eine Episode spielt während des Zweiten Weltkriegs in einem Luftschutzkeller und die bösen Alliierten schmeißen miese Bomben auf die guten (Schalker) Deutschen, die alle eher durch unbestimmte kritische Äußerungen („Dann kannet nur besser werden“) potentielle Widerständler sind. Gegen was, das wird allerdings nicht erwähnt. Es gibt keine Hakenkreuzflaggen, auch keine Nazis. Selbst das Wort nicht. „Wir überstehen dat schon“, heißt es im letzten Panel der Episode „Bunker“, das wiederum die nun tapfer lachende Schalker Volksgemeinschaft zeigt. Simpler geht es schon nicht mehr. Wenn Dr. Bruce Banner sich marvelesk in den „Hulk“ verwandelt, ist das realistischer als diese Plattitüden.

Aber der Autor weiß ganz genau, was er da schreibt. Denn Fritz Szepan, der in den Erfolgsjahren der Knappen als vielfacher Nationalspieler bei weitem der bekannteste Fußballer des Vereins war, wurde als historische Figur vollständig gelöscht. Warum? Vermutlich weil man keine Lösung dafür fand, den durch nachgewiesene Arisierungsgewinne belasteten Fußballer irgendwie in seinem Heldenszenario unterzubringen. So muss also der Schwager, Ernst Kuzorra, als Identifikationsfigur her halten, und über den Rest fällt der Mantel des Schweigens.
In einem knappen halben Jahr hat Michael Vogt und der Dorstener Verlag Konturblau einen Band auf den Markt geschmissen, dessen Niveau sich gegenüber dem eigenen Genre als rückständig erweist. „Wenn es etwas gibt, das sich wie ein Thema durch diesen Comic zieht, dann ist es die Leidenschaft“, schreibt der Autor in seinem Nachwort. Davon ist im Comic selbst allerdings wenig zu spüren. Leider.
Michael Vogt (Autor & Zeichner): Schalke - Helden von ganz unten. Der Schalke-Comic, ISBN 978-3-939565-04-8, 48 Seiten, HC, E 12,-.

Ralf Piorr









