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18.08.2008 Druckversion | Versenden

Türkei: Zu Besuch bei Eskisehirspor (Ortstermin)

Die Rückkehr der roten Blitze

Anatolien hat seinen Fußballstolz zurück. Wer in diesen Tagen die türkische Stadt Eskisehir besucht, kommt an den Roten Blitzen nicht vorbei. Seit dem Wiederaufstieg des ortsansässigen Vereins Eskisehirspor indie türkische Superliga befindet sich die knapp 600.000 Menschen zählende Stadt im Ausnahmezustand. Ein Ortstermin.



Geschäfte verhüllen ihre Auslagen
mit Flaggen und zwischen nicht wenige Straßenzüge sind riesige Tücher in den Vereinsfarben schwarz und rot gehängt. Einschusslöcher darin zeugen noch von den exzessiven Feierlichkeiten vom 18. Mai. Es war die Nacht, als Eskisehirspor
nach zwölf Jahren mit einem 2:0 gegen Boluspor in die höchste türkische Spielklasse zurückkehrte. „Die heilige Nacht“, wie sie hier sagen. „Die Sagenhaften sind zurückgekehrt“, steht deshalb in blumigen Worten auf den T-Shirts, die viele Männer auch zwei
Monate später noch mit ganzem Stolz tragen.


Etwa drei Autostunden liegt das Oberzentrum der gleichnamigen Provinz von der Hauptstadt Ankara entfernt. Der Name „Es-Es“, wie der Verein von Bevölkerung und Medien umschrieben wird, bedeutet hier nicht etwa die Abkürzung eines unsäglichen Auswuchses der Hitlerdiktatur, sondern Lebensinhalt. Nicht wenige Menschen in der Stadt behaupten gar, die Clubbosse aus
Istanbul fürchten innerhalb der Türkei von jeher nur einen Verein. Und das sei Eskisehirspor. Wie damals, in den Gründungsjahren. In denen der erst 1965 aus drei Stadtclubs
hervorgegangene Verein Ende der 1960er bis Anfang der 1970er Jahre dreimal türkischer Vizemeister wurde.

Das Erreichen des Europapokals und der erste Sieg einer türkischen Mannschaft gegen ein spanisches Team 1970 gegen den FC Sevilla im Messepokal befeuerten den Kultstatus der „kirmizi simsekler“, der Roten Blitze. Als die 1959 gegründete türkische Liga noch überwiegend aus Mannschaften aus Istanbul, Ankara und Izmir bestand, gab Eskisehir, die Alte Stadt, der anatolischen Bevölkerung eine fußballerische Identität. „Eine Stimme, ein Atem. Du bist unser ein und alles“, prangt in großen
Lettern an der mittlerweile arg in die Jahre gekommenen Stadionmauer.

Das Atatürkstadion mitten im Zentrum der Stadt ist so etwas wie ein stummer Zeitzeuge für den Aufstieg und den Fall von Eskisehirspor. Das 1953 erbaute Stadion ist seit 1962 in Betrieb. Als eines der ersten Arenen in der Türkei bekam es eine Flutlichtanlage. Von hier und nicht etwa aus Istanbul wurde erstmals ein internationales Spiel live im türkischen
Fernsehen übertragen. Heute haben Fenerbahce, Besiktas und Galatasaray allerdings nicht nur in den Medien mit eigenen TV-Kanälen einen kaum einholbaren Vorsprung erwirtschaftet.



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