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17.11.2008 Druckversion | Versenden

BL 9 WF: Türkgücü Werl in der dreifachen Krise

0:11-Debakel nur die Spitze des Eisbergs

Nach Platz fünf in der vergangenen Spielzeit war Türkgücü Werl schon fast so etwas wie ein Geheimfavorit in der Bezirksliga 9 Westfalen. Nach knapp der Hälfte der aktuellen Spielzeit steht der Klub jedoch nicht nur vor einem sportlichen Scherbenhaufen, sondern ist sogar akut in seiner Existenz gefährdet.



Die nackten Fakten sprechen schon eine deutliche Sprache: Von 14 Partien gewann die Mannschaft von Trainer Ioannis Giaslanis nur zwei, vorläufiger Tiefpunkt ist das desaströse 0:11 der Elf gegen den Spitzenreiter aus Wolbeck vom Sonntag. Wobei von einer "Elf" in dem Fall gar nicht gesprochen werden kann. Denn vom Hellweg machten sich gerade mal zehn Spieler auf den Weg ins Münsterland - ein für Bezirksliga-Verhältnisse peinlicher Vorgang.

Anfang Oktober gab sich Semih Bektas, neuverpflichteter linker Verteidiger, noch kämpferisch: "Wir können mithalten, nicht nur mit den Teams im Tabellenkeller." Der Defensivmann agierte auch als "Sprachrohr des Vereins", da ihm die Kommunikation leichter fiel als den meisten Klubkameraden und Vorstandsmitgliedern. Auch wenn er auf den Seiten des Fußballkreises Soest als Ansprechpartner geführt wird - eine offizielle Funktion hat Bektas nie gehabt: "Ich helfe nur ein bisschen."

51 Gegentore - Türkgücü die neue "Schießbude"

Dass der Klub dem Soester SV in Sachen "Schießbude" der Liga nun den Rang abgelaufen ist nur eine Randnotiz. Auch die Rücktrittsdrohung von Giaslanis ("Wenn sich nichts entscheidendes ändert, bin ich weg") schockiert nicht wirklich. Wesentlich bedrohlicher ist, dass die Existenz des Vereins offenbar am seidenen Faden hängt.

Bülent Catalbas - langjährige Allzweckwaffe des Vereins und als Geschäftsführer und Spielertrainer für Türkgücü aktiv - sieht die Gründe für den Niedergang in der auf den ersten Blick so erfolgreichen vergangenen Saison. "Der Vorstand wollte unbedingt einen neuen, reinen Trainer (zuvor agierte Türkgücü schon fast traditionell mit einem Spielertrainer) und holte zudem viele junge Spieler von außerhalb." Die einheimischen Kicker wurden aussortiert und wechselten zur SpVg. Möhnesee in die A-Kreisliga.

Der neue Trainer Alpay kam, sah, siegte - und ging

Das wird dem Klub nun zum Verhängnis. Nicht nur der Coach des Vorjahres, Hassan Alpay hat Lebewohl gesagt. Auch auf die neuverpflichteten Kicker aus "Hamm, Kamen und so weiter" war wenig Verlass. "Wir stehen jetzt bei Möhnesee im Wort, würden aber schon gerne helfen", wiegelt Catalbas ab.

Dass der Klub beim Verband dick "in der Kreide steht", findet Catalbas nicht so dramatisch: "Selbst, wenn der Verein beim Verband 1.000 Euro Schulden hat. Zu meiner Zeit hatte der Klub 40.000 Euro Schulden bei der Stadt und die haben wir auch abgebaut."

Ekrem Yörük, 1. Vorsitzender des Vereins, hat also gleich dreifach Sorgen: Finanzielle, personelle und sportliche - kein Wunder, dass er akut um die Existenz fürchtet. Ob das Kapitel "Türkgücü Werl" schon nach 14 Jahren für immer zugeklappt wird, entscheidet sich auf der Krisensitzung am Dienstag. Catalbas: "Das ist nun nicht mehr unser Problem."

Elmar Redemann



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